Schlanke Sätze & aktive Verben: Bringen Sie Ihre Newsletter-Texte in Form

Wer gute Texte schreiben will, muss lernen zu verzichten. Legen Sie schlechte Schreib-Gewohnheiten ab und verbessern Sie Ihren Schreibstil durch Kürzen, Streichen und Mut zur Lücke.

Wolf Schneider ist Deutschlands renommiertester Stilkritiker und schrieb in seiner Laufbahn 28 Sachbücher, darunter viele Standardwerke der deutschen Sprache. In seinem Handbuch Deutsch für junge Profis zeigt er vor, wie man unterhaltsame Texte schreibt und den Leser mitreißt. Die wichtigsten Tipps präsentieren wir Ihnen hier in der Kurzform.

hands wresting the sheet of paper and making paper ball after mistake during writing top view

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(1) Keine Zeit verschwenden

Wenige Worte genügen, denn sie müssen genügen. Im Schnitt sind Leser bereits nach 20 Sekunden von einem Text gelangweilt. Bei Newsletter-Lesern ist die Aufmerksamkeitsspanne sogar noch geringer. Gelesen wird nur, wenn die ersten beiden Sätze sitzen, einen Nutzen erkennen lassen oder gute Unterhaltung versprechen. Machen Sie den Newsletter-Betreff und die Einleitung zum Köder. Verschwenden Sie keinen Platz für überflüssige Einleitungsworte, springen Sie am besten direkt ins Thema hinein.

(2) Auf Einheitsbrei verzichten

Wird ein Thema immer wieder auf die gleiche Weise durchgekaut, schmeckt das den Lesern gar nicht. Viel erfrischender ist es, wenn Sie von der Routine abweichen. Kann man ein Thema aus einer anderen Perspektive beleuchten, es mit Witz oder Sarkasmus würzen?

Weitere Tipps zu (1) und Beispiel für (2):
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(3) Abstrakte Beschreibungen vermeiden

Bei „Backwaren“ entstehen in unserem Kopf keine Bilder. Erst wenn es um die Schwarzwälder Kirschtorte geht, beginnt das Kopfkino. Wir können uns lebhaft vorstellen, wie sie vor uns auf dem Teller steht und wünschen uns, wir könnten einen Bissen kosten. Benennen Sie die Dinge, werden Sie konkret und verzichten Sie auf abstrakte Oberbegriffe. Schreiben Sie anschaulich und vermitteln Sie Sinneseindrücke, dann wird Ihr Text nicht nur gelesen, sondern bleibt auch im Gedächtnis.

(4) Nur einen Bruchteil sagen

„(…) die stärkste Wirkung können wir erzielen, wenn wir weniger sagen als das, was wir meinen.“ [1] Damit sorgen Sie für Spannung. Denken Sie an ein Buch, das Sie am liebsten nicht mehr aus der Hand gelegt hätten. Was hat Sie damals zum Weiterlesen animiert? Räumen Sie den Lesern Platz für eigene Vermutungen ein oder überlassen Sie Details deren Vorstellung.

Verzichten Sie außerdem auf lange Aufzählungen und verwenden Sie stattdessen Begriffe, die das Spektrum ebenso gut eingrenzen. Ihr Text wird dadurch anschaulicher. Zeigen Sie krasse Gegensätze auf (Wir vertreten Bettler und Millionäre ) oder formulieren Sie es überspitzt, indem Sie Details hervorheben.

(5) Passive Verbformen unterlassen

„Hier wird empfohlen, dass…“, „Es wurde verdeutlicht, dass…“. Unter der sogenannten „Leideform“ des Verbs leidet auch der Text. Verben in der Tätigkeitsform bringen mehr Dynamik. Verwenden Sie vor allem aktive Verben, die eine Tätigkeit beschreiben und im besten Fall ein Bild erzeugen, wie sie verrichtet wird.

Beispiel
Man kann im selben Boot sitzen, im selben Boot rudern oder im selben Boot untergehen.
Welches Verb beschreibt den Vorgang am treffendsten und löst im Kopf am meisten aus?

(6) Füllwörter ausradieren, mit Adjektiven knausern

Füllwörter schleichen sich ungewollt in unsere Texte ein und schwächen sie. „Eigentlich“, „vielleicht“ und „irgendwie“ haben darin nichts verloren. Seien Sie geizig mit „also“, „doch“ und „dann“. Es hilft, das Geschriebene beiseite zu legen und mit etwas Abstand überflüssige Flickwörter zu streichen. Überflüssig bedeutet, dass sie den Satz unnötig verlängern, aber den Text nicht vorantreiben. Setzen Sie diese Wörter sparsam ein, um die Wirkung des Gesagten zu verstärken.

Gleiches gilt für Eigenschaftswörter: Wenn sie nicht dazu dienen, Dinge voneinander zu unterscheiden (das rote Auto), sie einzuordnen (der älteste Bruder) oder sie zu bewerten (ein sehenswerter Film), blähen sie den Text auf.

(7) Floskeln aus dem Wortschatz streichen

Die Verlockung ist groß, bekannte Floskeln in Texte und Überschriften einzubauen. Beim Schreiben dieses Blogberichtes sind uns auf Anhieb zehn Redewendungen eingefallen. Wir haben uns bemüht, diese nicht zu verwenden, ein paar sind trotzdem übrig geblieben.

Warum sind diese Sprachklischees in guten Texten verboten, wenn wir sie doch so lieben? Sie sind ausgelutscht. Durch die übermäßige Verwendung haben die Redewendungen ihre Ausdruckskraft verloren. Beim Lesen denken wir nicht mehr über ihren Sinn nach. Wir schalten ab.

Trotzdem können Sie die große Bekanntheit der Floskeln zu Ihrem Vorteil nutzen – durch Verfremdung. Kommt die Redewendung nicht auf gewohnte Weise daher, sondern in abgewandelter und unverbrauchter Form, steigert sich die Aufmerksamkeit der Leser.

(8) Leser vor zu hoher Informationsdichte bewahren

Gute Texte sind verständliche Texte. Egal ob Sie sich an Schulkinder oder Hochschulprofessoren wenden, folgende Regeln gelten immer.

Kurze Wörter sind langen vorzuziehen

Schlechtes Wetter ist besser verständlich als widrige Witterungsbedingungen.

Einfache Worte sind verständlich und kraftvoll

Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer sagte es treffend: „Man gebrauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.“

Ein Satz in einem Atemzug

Schreiben Sie kurze Sätze und reißen Sie zweiteilige Verben nicht zu weit auseinander. Teilen Sie Schachtelsätze in mehrere Sätze auf.

Bilder und Beispiele statt zu vieler Fakten

Zu viele Fakten auf engem Raum überfordern jeden Leser. Versuchen Sie die Fakten mit anschaulichen Beispielen zu beschreiben. Unter 8,5 Millionen Hektar abgeholzten Regenwald können sich die wenigsten Menschen etwas vorstellen. Eine Fläche so groß wie Österreich beschreibt es viel besser. Eine unbekannte Größe wird durch den Vergleich in etwas Vorstellbares umgewandelt.

 

Mehr Tipps und viele unterhaltsame Beispiele gibt es in unserem heutigen Buchtipp.
Deutsch für junge Profis von Wolf Schneider


[1] Deutsch für junge Profis, Wolf Schneider, 4. Auflage, 2013, S. 27

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